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Für den deutschen evangelischen Kirchentag in Berlin-Wittenberg vom 24. bis 28. Mai 2017 
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Führung:

Mo. - Fr.09.00 Uhr bis 11.30 Uhr
14.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Di. + Do.Offene Führung 15.00h
Sa.10.00 Uhr bis 12.00 Uhr
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Petit Edelbrock Wappen
Glockenguss in der heißen Phase.
Der letzte Schliff für eine glänzende Glocke.
Hans A. Fey anläßlich der feierlichen Weihe der Glocke "Johannes XXIII" (2.325kg) am 24. Juni 2012 St. Anna in Köln-Ehrenfeld.

Glockenguss

Das Geheimnis

Der Glockengießer errechnet nach Ton, Durchmesser
und Gewicht die "Rippe", das Profil der künftigen Glocke.
Er zeichnet sie auf ein Buchenbrett, das später als
Schablone dienen wird.

Der Kern

Die Schablone wird entlang der inneren Kontur aus-
geschnitten. Sie wird an einer Spindel drehbar befestigt
und über dem Formstand in der "Grube" angebracht.
Der Schablone folgend, wird nun der erste Teil der
Glockenform, der "Kern" hohl mit Ziegeln aufgemauert.
Darauf wird mit Zusätzen vermengter Lehm von Hand
aufgetragen.

Durch den Hohlraum kann die Kernform von innen heraus
beheizt werden, um auszutrocknen und gebrannt zu wer-
den. Diese Arbeitsgänge werden mit immer feinerem Lehm
so lange wiederholt und mit der Schablone rundherum abge-
strichen, bis ein glatter, die Schablone genau ausfüllender
Kern entstanden ist. Er entspricht dem Inneren der Glocke,
dem Hohlraum. Alle Formarbeiten nehmen viel Zeit in Anspruch, da jede einzelne Lehmschicht trocken sein muss, bevor die nächste aufgetragen werden kann.

Die Falsche Glocke

Die Schablone wird entlang der äußeren Kontur ausgeschnitten und somit das Maß für das Modell der Glocke, das "Falsche Glocke" genannt wird. Auch sie entsteht durch fortgesetztes Auftragen der immer feiner werdenden Lehmschichten bis die Schablone ausgefüllt ist. Zuletzt erhält die Falsche Glocke mit der Schablone eine Trennschicht aus Fett, auf die Verzierung- en und Schriften aus Wachs aufgesetzt werden. Die Falsche Glocke ist ein genaues Abbild der künftigen Glocke.

Der Mantel

Im folgenden dritten und letzten Formabschnitt wird der "Mantel" gefertigt. Hierzu hat die Schablone aus- gedient. Zunächst bringt man sehr feinen Lehm auf die Falsche Glocke. Die darauf folgenden Schichten, die zudem armiert werden, sind zunehmend gröber. Wieder wird die Form beheizt und jeder Lehmauftrag getrocknet, bevor der nächste folgt, bis
der Mantel die erforderliche Stärke hat.

Das Wachs der Glockenzier auf der Falschen Glocke ist
durch den Trockenvorgang weggeschmolzen. Beim Abheben des Mantels zeigt seine Innenwand nun alle Schriften und Verzierungen im Negativ. Die Falsche Glocke hat nun aus- gedient und wird vorn Kern entfernt. Der Mantel wird
wieder über den Kern gestülpt. Dazwischen ist der Hohl-
raum entstanden, den vorher die Falsche Glocke einge-
nommen hat und der beim späteren Guss mit Bronze gefüllt wird. Die Kronenform wird ausgehend von einem Wachsmodell gesondert hergestellt und der Glockenform aufgesetzt.

Die Gussvorbereitung

In die Gussgrube wird schichtweise Erde zwischen die Glockenformen eingebracht und festgestampft, damit die Mantel- formen den Druck der Schmelze beim Guss aushalten. Schließlich ragen nur die "Windpfeifen" und das Eingussloch jeder Glocke in die ebene Oberfläche der obersten Erd- schicht. Auf ihr mauert man offene Rinnen, die das flüssige Metall zu den Gusslöchern der einzelnen Formen leiten werden.

Der Glockenguss

Stunden vorher wird der Schmelzofen aufgeheizt und mit
der Glockenspeise, bestehend aus 78 % Kupfer und 22 %
Zinn, beschickt. Bei etwa 1100 °C hat die Bronzeschmelze
die erforderliche Gusstemperatur.

Der Zapfen, der den Schmelzofen verschließt, wird ausge-
stoßen. Durch die offenen Rinnen fließt die Schmelze zu den Eingusslöchern der Glockenformen. Auf Anweisung des Meis- ters wird das jeweilige Gussloch geöffnet, die Form füllt sich, Gase und Luft entströmen den Windpfeifen.

Das Geläute

Die Bronze erstarrt in den Formen. Tage später sind die Glocken ausreichend abgekühlt und werden ausgegraben.
Sie werden von ihrem Mantel und Kern befreit, gereinigt
und musikalisch geprüft. Mit den nötigen Armaturen werden
sie im Glockenstuhl montiert.

Bis ins Jahr 1690 reicht die Gusstradition der Firma Petit & Gebr. Edelbrock. Noch heute fertigt die zwölfte Generation nach dem hier dargestellten traditionellen Lehmformverfahren Glocken, getreu ihrem Motto:

SOLI DEO GLORIA


Die hier dargestellte Entstehung einer Glocke ist auch als Broschüre erhältlich.